top of page

Die Verbindung der eigenen Erfahrungen – warum Authentizität der Schlüssel zu wirksamer Führung ist

  • Autorenbild: Anja Sophie Betzler
    Anja Sophie Betzler
  • vor 7 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit
Spaziergang am Fluss in der Schweiz – Reflexion über authentische Führung und die Verbindung persönlicher Erfahrungen

Wenn der Lebenslauf plötzlich Sinn ergibt

Manchmal ergibt das Leben erst im Rückblick Sinn.


Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Du blickst auf deinen beruflichen Weg zurück und fragst dich, wie all diese Stationen eigentlich zusammenpassen sollen.


Der Job im Konzern.

Die Erfahrung im internationalen Umfeld.

Die schwierigen Phasen, in denen du Führung lernen musstest.

Momente von Überforderung, Zweifel oder Veränderung.


Und gleichzeitig gab es immer wieder diese Momente, in denen du gespürt hast: Da steckt mehr dahinter.


Doch im Alltag versuchen viele Menschen genau das Gegenteil: Sie versuchen, in ein klares Rollenbild zu passen.


Die perfekte Führungskraft.

Der souveräne Unternehmer.

Die erfolgreiche Expertin.


Diese Bilder sind tief in unserer Arbeitswelt verankert.

Und sie erzeugen Druck.


Denn wer versucht, Erwartungen zu erfüllen, entfernt sich häufig ein Stück von sich selbst.


Viele Führungskräfte beschreiben genau dieses Gefühl:

Sie funktionieren, treffen Entscheidungen, tragen Verantwortung – und merken irgendwann, dass sie sich innerlich von ihrem eigenen Handeln distanzieren.


Dabei entsteht echte Klarheit oft erst dann, wenn wir beginnen, unsere eigenen Erfahrungen miteinander zu verbinden.


Der berühmte Satz von Steve Jobs bringt dieses Phänomen auf den Punkt:


„You can’t connect the dots looking forward; you can only connect them looking backwards.“¹

Erst im Rückblick erkennen wir, wie scheinbar unterschiedliche Erfahrungen miteinander zusammenhängen.


Und genau dort beginnt Authentizität.


Warum unsere Geschichte unsere Wirkung prägt

Die Wirkung eines Menschen entsteht selten durch eine einzelne Kompetenz.


Sie entsteht dort, wo Erfahrungen, Werte und Fähigkeiten miteinander in Verbindung treten.


Viele Führungskräfte unterschätzen diesen Zusammenhang.

Sie versuchen, neue Fähigkeiten zu erlernen, Tools zu nutzen oder Führungsmodelle zu übernehmen.


Doch Wirkung entsteht nicht allein durch Methoden.


Sie entsteht aus der inneren Klarheit darüber, wer wir sind – und wie unsere Erfahrungen uns geprägt haben.


In der Psychologie wird dieser Prozess als narrative Identität beschrieben.


Der Persönlichkeitspsychologe Dan P. McAdams zeigt, dass Menschen ihre Identität über Geschichten strukturieren. Wir entwickeln ein Gefühl von Sinn und Orientierung, wenn wir unsere Lebensgeschichte als zusammenhängende Erzählung verstehen können.² Auch Erik H. Erikson beschreibt Identitätsentwicklung als einen Prozess, in dem Menschen ihre unterschiedlichen Erfahrungen zu einem inneren Ganzen verbinden.³


Wenn diese Verbindung gelingt, entsteht etwas Entscheidendes: Kohärenz.


Der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky beschreibt dieses Gefühl als ein zentrales Element psychischer Gesundheit. Menschen fühlen sich stabiler, wenn sie ihr Leben als verstehbar, handhabbar und sinnvoll erleben.⁴


Diese innere Kohärenz hat auch direkte Auswirkungen auf Führung.


Moderne Leadership-Forschung zeigt, dass Führungskräfte dann besonders wirksam sind, wenn sie als authentisch wahrgenommen werden.


Authentische Führung bedeutet dabei nicht, einfach „man selbst zu sein“.

Sie entsteht aus Selbstreflexion, Selbstkongruenz und einem klaren Werteverständnis.⁵


Der Psychologe Carl Rogers beschrieb diese Kongruenz als einen Zustand, in dem Denken, Fühlen und Handeln miteinander übereinstimmen.⁶


Menschen wirken dann glaubwürdig, weil ihr Verhalten mit ihrem inneren Erleben übereinstimmt.


Gerade in Zeiten von Transformation wird diese Qualität immer wichtiger.


Organisationen befinden sich heute in einer permanenten Veränderung.

Strategien ändern sich schneller, Märkte werden komplexer, Entscheidungen müssen unter Unsicherheit getroffen werden.


Der Soziologe Hartmut Rosa beschreibt diese Entwicklung als eine zunehmende Beschleunigung moderner Gesellschaften.⁷


In einer solchen Welt suchen Menschen nach Orientierung. Und Orientierung entsteht nicht allein durch Strukturen oder Prozesse. Sie entsteht durch Menschen, die Klarheit ausstrahlen.


Führungskräfte, die ihre eigene Geschichte verstehen, können auch in unsicheren Situationen stabil handeln. Sie müssen nicht perfekt sein.

Aber sie wissen, wofür sie stehen.


Die Rolle des Wirkungsprofils

In meiner Arbeit mit Führungskräften und Unternehmer:innen erlebe ich immer wieder, dass diese Klarheit selten von selbst entsteht.


Viele Menschen tragen wertvolle Erfahrungen in sich – erkennen aber nicht, wie sie zusammengehören.


Hier setzt meine Arbeit mit dem Wirkungsprofil an.


Dabei geht es darum,

• persönliche Erfahrungen und Kompetenzen miteinander zu verbinden

• wiederkehrende Muster und Stärken sichtbar zu machen

• die eigene Wirkung auf andere bewusst wahrzunehmen

• und daraus Klarheit für Führung, Kommunikation und Entscheidungen zu entwickeln


Wenn Menschen beginnen, diese Zusammenhänge zu erkennen, verändert sich oft etwas Grundlegendes.


Sie hören auf, sich ständig mit äußeren Erwartungen zu vergleichen.


Stattdessen verstehen sie ihre eigene Geschichte als Ressource.


Und genau das verändert ihre Wirkung.


Sie treffen klarere Entscheidungen.

Sie kommunizieren authentischer.

Und sie können ihre Rolle in Organisationen bewusster gestalten.


Wirkung entsteht durch Klarheit

Vielleicht liegt die größte Herausforderung moderner Führung nicht darin, noch mehr Kompetenzen zu entwickeln.


Sondern darin, sich selbst besser zu verstehen.

Die eigene Wirkung entsteht nicht durch Perfektion.

Sie entsteht durch Klarheit.


Durch das Verständnis dafür, welche Erfahrungen uns geprägt haben.

Welche Werte uns leiten. Und welche Stärken sich aus unserem Weg entwickelt haben.

Diese Klarheit entsteht selten im hektischen Alltag.


Manchmal beginnt sie mit einem Moment der Reflexion.


Wenn du neugierig bist, deine eigene Wirkung besser zu verstehen, lade ich dich gern zu einem kurzen Klarheits-Check ein. In einem 15-minütigen Gespräch schauen wir gemeinsam auf deine Erfahrungen, deine Stärken und deine aktuelle berufliche Situation.


Manchmal reichen schon wenige Fragen, um neue Perspektiven zu öffnen.


Reflexionsfragen

Vielleicht möchtest du dir vorab selbst drei Fragen stellen:


• Welche Erfahrungen haben meine heutige Haltung zur Führung geprägt?

• Wo versuche ich noch, Erwartungen zu erfüllen, statt meine eigenen Stärken zu nutzen?

• Welche Verbindung erkenne ich zwischen meinen bisherigen Stationen?


Quellen

  1. Steve Jobs – Stanford Commencement Speech (2005)

  2. Dan P. McAdams – The Stories We Live By (2018)

  3. Erik H. Erikson – Identität und Lebenszyklus

  4. Aaron Antonovsky – Salutogenese – Zur Entmystifizierung der Gesundheit

  5. Walumbwa / Avolio – Authentic Leadership Theory

  6. Carl Rogers – On Becoming a Person

  7. Hartmut Rosa – Beschleunigung und Entfremdung / Resonanz


 
 
bottom of page