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Resilienz in der Führung: Balance finden in Zeiten von Dauerstress und Umbrüchen

Aktualisiert: 22. Sept. 2025

Eine orange farbene Blume auf grauem Asphalt, die aus einem Riss wächst.
Foto von insta@H95i auf Unsplash

Persönliche Einblicke und wie wichtig Grenzen setzen ist

Vor vier Jahren habe ich einen Tierschutzhund adoptiert. Sie ist ein besonderer Hund – sensibel, klar, unnachgiebig darin, wenn ihr etwas zu viel wird. Für mich war das anfangs herausfordernd. Denn während ich gesellschaftlich oft versucht habe, Erwartungen zu erfüllen und „funktionieren“ zu wollen, hält sie mir regelmäßig den Spiegel vor: Stopp, so nicht.


Manchmal bringt mich das aus der Fassung – weil ich das Gefühl habe, nicht in die Konformität hineinzupassen. Gleichzeitig ist genau das ein Geschenk: Sie erinnert mich daran, dass Grenzen wichtig sind. Dass Balance nicht durch ständige Leistung entsteht, sondern durch das bewusste Wahrnehmen der eigenen Ressourcen.


Eine andere prägende Erfahrung war die Krankheit und der Tod meines Vaters. Diese Krise hat mich gezwungen, neu über meine Prioritäten nachzudenken. Dinge, die mir früher wichtig waren, verloren plötzlich ihre Bedeutung. Ich musste lernen, loszulassen, mich neu auszurichten – und Verantwortung für mein eigenes Glück zu übernehmen.


Diese Erlebnisse haben mich gelehrt: Resilienz bedeutet nicht, unerschütterlich zu sein. Resilienz bedeutet, inmitten von Krisen die Fähigkeit zu entwickeln, sich neu auszubalancieren, sich anzupassen – und gestärkt daraus hervorzugehen.


Resilienz - ein weiteres Buzzword? Und was bedeutet es


1. Was bedeutet Resilienz?

Resilienz beschreibt in der Psychologie die Fähigkeit, trotz Belastungen handlungsfähig zu bleiben und nach Krisen wieder ins Gleichgewicht zu finden. Christina Bermeitinger (Uni Hildesheim, 2022) betont, dass Resilienz nicht bloß „Härte“ ist, sondern vor allem die Fähigkeit zur Reflexion und Anpassung【Forschung & Lehre, 2022】.


2. Eigenschaften resilienter Menschen

Studien zeigen, dass Resilienz durch bestimmte Haltungen und Kompetenzen gefördert wird (APA, 2023; Gallup, 2024):


  • Akzeptanz: Krisen annehmen, statt sie zu verdrängen.

  • Sinnorientierung: im Schmerz Bedeutung finden (vgl. Frankl, 2021).

  • Selbstwirksamkeit: Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Einfluss zu nehmen.

  • Soziale Unterstützung: Netzwerke, die Halt geben.

  • Flexibilität: Offenheit für Veränderung.

  • Selbstfürsorge: bewusster Umgang mit Energie und Gesundheit.


3. Resilienz und Führung

Führungskräfte stehen vor der doppelten Herausforderung, sowohl ihre eigene Balance zu halten als auch für ihr Team stabil zu bleiben. Der Gallup Engagement Index 2024 zeigt: 42 % der deutschen Beschäftigten fühlen sich „häufig oder sehr häufig emotional erschöpft“. Resiliente Führung bedeutet hier, Prioritäten zu setzen, Grenzen zu respektieren und Räume für Erholung zu schaffen【Gallup, 2024】.


4. Psychologische Sicherheit als Teamfaktor

Amy Edmondson (Harvard Business School) beschreibt psychologische Sicherheit als Fundament für resiliente Teams. In Organisationen, in denen Fehler als Lernchancen gesehen werden, entstehen Vertrauen, Mut und Innovationskraft. Teams mit psychologischer Sicherheit haben signifikant niedrigere Burnout-Raten【Edmondson, 2020】.


5. Resilienz als Held*innenreise

Die Held*innenreise (Campbell; Murdock für die Heldinnenreise) zeigt: Krisen sind nicht das Ende, sondern Übergänge. Sie bestehen aus:


  • Der Ruf: das Gefühl, dass etwas nicht mehr passt.

  • Der Abstieg: Krise, Verlust, Erschöpfung.

  • Die Konfrontation: der Lernprozess.

  • Die Rückkehr: Integration neuer Stärke.


Diese Dynamik zeigt sich auch in Führung. Tiefschläge sind unbequem – aber sie bergen die Chance, gestärkt zurückzukehren und andere mitzureißen.


6. Kleine Schritte mit großer Wirkung

Resilienz wächst durch Routinen: Mikro-Pausen zwischen Meetings, Atemübungen, Journaling. James Clear beschreibt es in Atomic Habits treffend: „We don’t rise to the level of our goals, we fall to the level of our systems“【Clear, 2018】.



Aufstehen und Krone richten

Meine Hündin erinnert mich täglich daran, dass Grenzen Stärke bedeuten. Der Verlust meines Vaters hat mich gelehrt, wie existenzielle Krisen neue Klarheit schaffen können. Und genau das ist Resilienz: die Fähigkeit, nach einem Sturz wieder aufzustehen – verändert, bewusster, klarer.


Resilienz ist nicht linear. Sie ist eine Reise, oft schmerzvoll, aber immer voller Lernchancen. Für Führungskräfte bedeutet das: Wer Balance in sich selbst findet, kann auch Balance in Teams schaffen.


Mehr Inspiration findest du in meinem Podcast „Klarheit & Wahrheit“:


  • Mit Miriam Freundenberg über Selbstfürsorge, Grenzen und die Kunst, im Business auf den eigenen Körper zu hören .

  • Mit Anita Vögeli über Intuition und Körperwissen – und warum der Körper oft klüger ist als jeder Businessplan


Wenn du tiefer einsteigen willst: In meinem Onlinekurs „Zurück in deine Balance – Führung beginnt in dir“ begleite ich dich, Resilienz und Balance nicht nur als Schlagwort, sondern als gelebte Haltung in deinen Führungsalltag zu integrieren. Ergänzend biete ich Teamworkshops an, die helfen, unausgesprochene Themen sichtbar zu machen und Teams nachhaltig zu stärken.


Kleine Übung

Nimm dir heute Abend fünf Minuten Zeit:


  1. Wo habe ich in den letzten Wochen meine Grenzen gespürt?

  2. Habe ich sie wahrgenommen – oder übergangen?

  3. Welche drei kleinen Schritte kann ich morgen tun, um meine Balance zu stärken?


Quellen (Auswahl):

  • Bermeitinger, C. (2022): „Resilienz in der Führung“, Forschung & Lehre.

  • Gallup (2024): Engagement Index Deutschland. Link

  • American Psychological Association (2023): Stress in America Survey.

  • Edmondson, A. (2020): The Fearless Organization.

  • Frankl, V. (2021): …trotzdem Ja zum Leben sagen.

  • Clear, J. (2018): Atomic Habits.



 
 
 

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