Klarheit im Januar: Wie Reflexion, Intuition und innere Bilder dich ins Tun bringen
- Anja Betzler
- vor 20 Minuten
- 5 Min. Lesezeit

Ein Impuls für deinen Jahresstart
Zwischen Stille & Impuls
Januar ist ein Monat, der nach innen führt. Nachdem der Dezember mit Festtagen, Begegnungen und Erwartungen vorbei gerauscht ist, bleibt bei vielen diese Frage im Raum: Und jetzt? Genau hier beginnt ein Prozess, der weit über Planung hinausgeht: Klarheit entsteht in der Ruhe.
Für mich wurde das in den letzten Tagen besonders spürbar an einem stillen Ort: dem Bahá’Ã-Haus der Andacht in Langenhain bei Hofheim. Ein Raum, der bewusst schlicht gehalten ist – offen für Menschen unabhängig von Herkunft oder Glauben – und genau dadurch eine besondere Qualität hat: Stille ohne Druck.Â
In dieser Atmosphäre wurde mir etwas sehr Klar(es) bewusst: Wie stark gesellschaftliche Erwartungen – Silvester muss laut sein, Januar muss produktiv sein, „jetzt aber wieder durchstarten“ – unsere innere Orientierung überdecken können. Und wie paradox das ist: Was sich zunächst langsam anfühlt (manchmal sogar wie Stillstand), wird häufig zur effizientesten Bewegung überhaupt – weil sie aus Ausrichtung entsteht, nicht aus Aktionismus.
Viele meiner Kund:innen erleben genau diesen Punkt als Schlüssel für einen gelungenen Jahresstart:
den Wunsch, ins Tun zu kommen (ohne sich zu überfahren),
mehr Wirksamkeit bei leichteren Strukturen,
berufliche Klarheit für den nächsten Schritt,
oder die Sehnsucht, die eigene Richtung wieder zu spüren.
Innere Klarheit ist kein Motivations-Kick. Sie ist ein Prozess. Und dieser Prozess beginnt, wenn wir wirklich hinhören, statt nur zu planen.
Warum das 2026 besonders relevant ist
Die neue Arbeitswelt braucht mehr als „höher, schneller, weiter“
Die aktuellen Deloitte Human Capital Trends beschreiben sehr deutlich, dass klassische Leistungsmetriken in vielen Organisationen an Grenzen kommen – und dass „Performance“ immer stärker mit genuin menschlichen Fähigkeiten verknüpft wird: Orientierung, Anpassungsfähigkeit, Sinn, Zusammenarbeit.Â
Und genau hier wird es spannend: Wenn die Welt komplexer wird, reicht „noch mehr Druck“ nicht. Dann wird innere Klarheit zu einer echten Kompetenz – persönlich wie beruflich.
Warum Reflexion wirksam ist (und wann sie es nicht ist)
Reflexion ist nicht einfach Rückblick. In der Psychologie wird Reflexion als kritisches Nachdenken über das eigene Innenleben beschrieben: Gefühle, Motive, Gedanken – mit dem Ziel, Zusammenhänge zu erkennen.Â
Wichtig ist dabei eine Unterscheidung, die ich sehr liebe, weil sie so entlastend ist: Reflexion ist nicht Grübeln. Grübeln ist oft eine Dauerschleife ohne konkreten nächsten Schritt. Psychologie Heute beschreibt genau diesen Unterschied zwischen hilfreichem Nachdenken und schädlichem Gedankenkreisen sehr anschaulich.Â
Meine Kanzelleria-Übersetzung:
Reflexion bringt dich näher zu dir. Grübeln hält dich fest.
Ziele geben Richtung – wenn sie gut gesetzt sind
Die Zielsetzungstheorie (Locke & Latham) betont im Kern etwas sehr Bodenständiges: Anspruchsvolle und spezifisch formulierte Ziele unterstützen Leistung und Handlungsenergie.Â
Das ist die rationale Seite von Klarheit: Worte finden, Prioritäten setzen, Entscheidungen treffen.
Und dann kommt der Teil, an dem viele scheitern (und sich dafür auch noch verurteilen): Zwischen Ziel und Umsetzung liegt Selbstregulation. Genau dort entscheidet sich, ob Klarheit im Kalender landet – oder nur im Kopf bleibt.
Aus der Reflexion ins Tun kommen – ohne dich zu verbiegen
Die Brücke heißt: „Wenn-Dann“ (konkret statt kompliziert)
Eine der wirksamsten Strategien aus der Motivationspsychologie sind Wenn-Dann-Pläne: Wenn Situation X eintritt, dann tue ich Y.
Das klingt simpel – ist aber ein echter Turbo für Umsetzung, weil es dein Verhalten an einen klaren Auslöser koppelt.Â
Beispiele (alltagsnah, nicht heroisch):
Wenn ich morgens den Laptop aufklappe, dann schreibe ich zuerst 10 Minuten an meinem wichtigsten Projekt, bevor ich Mails öffne.
Wenn ich merke, ich rutsche ins Grübeln, dann gehe ich 5 Minuten raus, atme und formuliere eine konkrete nächste Frage.
Klarheit heißt nicht „alles wissen“. Klarheit heißt oft: den nächsten Schritt so definieren, dass du ihn wirklich gehen kannst.
Vision Boards & intuitive Werkzeuge – Klarheit beginnt im Bild
Ich mag Vision Boards, weil sie etwas tun, das viele To-do-Listen nicht schaffen: Sie bringen dich raus aus dem reinen Kopfmodus und rein in das, was dich wirklich anzieht.
Aber – und das ist mir wichtig – ich stelle es bewusst fundiert auf:
Innere Bilder können Fokus geben. Doch „nur“ positive Zukunftsbilder reichen häufig nicht. Wirksamer wird es, wenn du das Wunschbild mit der Realität verbindest: Was steht mir im Weg – und was ist mein Plan?
Genau das beschreibt die Methode WOOP (Wish, Outcome, Obstacle, Plan): Mentales Kontrastieren – also das bewusste Gegenüberstellen von Wunsch und Hindernis – kombiniert mit einem konkreten Wenn-Dann-Plan.
Die Techniker Krankenkasse bereitet das in einem Interview mit Prof. Gabriele Oettingen sehr klar auf (und ja: angenehm un-esoterisch).Â
Meine Lieblings-Kombination für den Jahresstart (15 Minuten):
Bild wählen (Vision Board oder ein einzelnes Motiv): Wofür will ich gehen?
Hindernis benennen (ehrlich, ohne Drama): Was bremst mich wirklich?
Wenn-Dann-Plan formulieren: Wenn das Hindernis auftaucht, dann…Â
So bleibt Intuition nicht „nur Gefühl“, sondern wird Handlungsenergie mit Richtung.
Mini-Tool für Klarheit: Schreiben bringt Ordnung ins Innere
Manchmal ist Klarheit nicht eine Erkenntnis, sondern ein Prozess im Schreiben. Spektrum beschreibt Selbstreflexion als Fähigkeit, das eigene Leben besser zu verstehen – und ordnet auch das Schreiben als Weg zu Einsicht und Bedeutung ein.Â
Und: Journaling wird längst nicht nur als Lifestyle-Trend betrachtet. An der Universitätsmedizin Tübingen wird z.B. Journaling im Kontext der Erfassung emotionaler Befindlichkeit wissenschaftlich untersucht.Â
Kanzelleria-Kurzform:
Wenn du nicht weißt, was los ist – schreib, bis du es spürst.
Dein Tempo ist nicht falsch
Gerade jetzt – nach dem 6. Januar – lese ich häufig, dass der Weihnachtsbaum „endlich verschwinden“ müsse. Und ich merke: Das warme Licht der Lichterkette beruhigt mein Nervensystem und schenkt mir Sicherheit in dieser tiefen Winterzeit. Dann kommt sie, diese Frage: Wer bestimmt eigentlich, was richtig ist?
Echte Sicherheit entsteht nicht durch äußere Normen. Sie entsteht durch Vertrauen in die eigene Wahrnehmung. Und wenn wir lernen, auf die innere Stimme zu hören – auch dann, wenn sie gegen gesellschaftliche Erwartungen spricht – öffnen wir einen Raum, in dem Klarheit, Energie und Freude zusammenkommen.
Reflexionsimpuls & Coaching-Einladung
Klarheit braucht Raum. Und genau diesen Raum möchte ich dir schenken – mit meinem Jahresstart-Impulspaket:
🔹 Geführte Audio-Meditation für deine innere Ausrichtung
🔹 Mini-Workbook mit Reflexionsfragen für deine Ziele in 2026
🔹 Eine kostenfreie Coaching-Session, um deinen Weg konkret zu planen
👉 Hol dir dein Geschenk hier:
Ich freue mich, dich auf deinem Weg zu begleiten – mit Klarheit, Struktur und Mut zur eigenen Stimme.
Quellen (Fußnoten)
Deloitte (Deutschland), Global Human Capital Trends 2024 (u.a. „Human Performance“, Verschiebung klassischer Leistungsmetriken).Â
Springer Lehrbuch Psychologie – Glossar: Zielsetzungstheorie (Locke & Latham; Bedeutung spezifischer/anspruchsvoller Ziele).Â
Springer Lehrbuch Psychologie – Glossar: Reflexion (Reflexion als Prozess der Selbstbeobachtung / kritisches Nachdenken).Â
Psychologie Heute: „Gutes Grübeln – schlechtes Grübeln“ sowie Interview/Artikel zum Unterschied Grübeln/Sorgen (Abgrenzung zu produktiver Reflexion).Â
Universität Konstanz (Faude-Koivisto & Gollwitzer): Wenn-Dann-Pläne als Selbstregulationsstrategie (PDF).Â
Forschung & Lehre (Deutscher Hochschulverband): Wenn-Dann-Prinzip – Überblick zur Studienlage und Einsatzbereichen.Â
Techniker Krankenkasse: WOOP / Mentales Kontrastieren (Interview + Wissenschaftsseite, inkl. Plan-Schritt als Wenn-Dann-Plan).Â
Universität Hamburg (Oettingen): Mentale Kontrastierung & WOOP (wissenschaftliche Darstellung, PDF).Â
Spektrum.de: Selbstreflexion & Schreiben (Einordnung Selbstreflexion, Bedeutung, Writing/Verstehen).Â
Universitätsmedizin Tübingen + DRKS: Journaling im Forschungskontext (Monitoring emotionaler Befindlichkeit; Studienregistrierung).Â
Bahá’à Haus der Andacht Langenhain: Ort der Stille, offen für alle (offizielle Infos).Â